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Internationale Paneuropa-Union

Jubiläumskongress auf Rädern

Im Rahmen der 48. Paneuropa-Tage der Paneuropa-Union Deutschland beging die älteste europäische Einigungsbewegung ihr 100jähriges Bestehen vom 24. bis 27. Juni 2022.

Der viertägige "Jubiläumskongreß auf Rädern" fand grenzüberschreitend in Nürnberg, in Ronsperg (Poběžovice), dem böhmischen Heimatort von Richard Graf Coudenhove-Kalergi, der 1922 die Paneuropa-Union gründete, sowie in den Gebäuden von Europaparlament und Europarat in Straßburg statt.

Beim Festakt im historischen Rathaussaal von Nürnberg würdigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die überparteiliche Paneuropa-Union als „erste und stärkste Friedensbewegung, die wir haben“.

Auf besondere Aufmerksamkeit stieß die Ansprache des tschechischen Europaministers Mikuláš Bek, weil Böhmen vor 100 Jahren in Gestalt von Richard Coudenhove-Kalergi die Paneuropa-Union hervorgebracht hat und von 1. Juli bis Jahresende die EU-Ratspräsidentschaft ausübt. 

Der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Bernd Posselt, unterstrich, die Paneuropa-Union sei nicht nur eine Friedens-, sondern auch eine Freiheitsbewegung und daher nicht auf wehrlose Weise pazifistisch, sondern Verfechterin einer europaweiten wehrhaften Demokratie, die sich gegen Krieg und Totalitarismus verteidigen könne. 

Der internationale Paneuropa-Präsident Alain Terrenoire aus Paris warnte davor, sich in der Abwehr der russischen Aggression und des chinesischen Dominanzstrebens ausschließlich auf USA und NATO zu verlassen. Schon bei den Wahlen im Herbst könnten die Vereinigten Staaten wieder in Richtung Trump kippen, und zwei Jahre später ein anderer Präsident eine völlig andere Richtung einschlagen.

Der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König begrüßte die Gäste aus 18 Nationen in seinem Rathaussaal aus dem 14. Jahrhundert, in dem 1649 nach dem Dreißigjährigen Krieg das Friedensmahl abgehalten worden sei. 

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte ein schriftliches Grußwort gesandt, in dem sie die Paneuropa-Union eine „ganz besondere europäische Vereinigung“ nannte, die als erste eine demokratische Föderation aller europäischen Staaten gefordert und damit die Ideen von Europarat und Europaparlament in der EU verankert habe.

Anschließend fuhren die Teilnehmer mit einer Reihe von Bussen nach Ronsperg in Böhmen. 

Der internationale Generalsekretär der Paneuropa-Union und ehemalige Wissenschafts- und Bildungsminister von Kroatien, Prof. Pavo Barišić, faszinierte durch eine Grundsatzrede, in der er die jetzt mit 50 000 Mitwirkenden durchgeführte „Konferenz zur Zukunft Europas“ als „einzigartigen Akt der deliberativen Demokratie“ rühmte.

Bei der festlichen Eröffnung des Kongresses am Vorabend in Nürnberg hatte der deutsche Paneuropa-Präsident Bernd Posselt ein prominentes Paneuropa-Mitglied, den EVP-Fraktions- und Parteivorsitzenden Manfred Weber, mit der Sonderstufe der Paneuropa-Verdienstmedaille ausgezeichnet.

Der Präsident der mitveranstaltenden Tschechischen Paneuropa-Union, Marian Švejda, früher ein Bürgerrechtler gegen den Kommunismus, erinnerte an den ersten Besuch Otto von Habsburgs an der Karlsuniversität kurz nach der Samtenen Revolution, der dort erklärt habe.

Anschließend fuhr eine internationale Paneuropa-Delegation nach Straßburg ins Europaparlament und zum Europarat, deren Schaffung vor Jahrzehnten von der Paneuropa-Bewegung initiiert wurde.